Notnahrung im Vergleich: Pakete, Riegel, Konserven und Gefriergetrocknetes
Für zehn Tage brauchst du etwa 22.000 Kilokalorien und 20 Liter Wasser pro Erwachsenem. Das ist der Richtwert des BBK von 2.200 kcal und 2 Litern pro Person und Tag. Fertige Notnahrung erreicht diesen Wert selten und kostet viel: Die Verbraucherzentrale Sachsen hat im Herbst 2024 Komplettpakete im Schnitt mit 23,33 € pro Tag erfasst, ein selbst zusammengestellter Zehn-Tage-Vorrat aus dem Supermarkt kam inklusive Wasser und Pfand auf 75,65 €. Notnahrung lohnt sich deshalb als kleine Reserve für den Rucksack, nicht als Fundament deines Vorrats.

Wie viel Nahrung brauchst du für den Krisenfall wirklich?
Das BBK nennt für Erwachsene etwa 2.200 kcal und 2 Liter Flüssigkeit pro Tag, davon laut Verbraucherzentrale Niedersachsen 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter zum Kochen. Der Vorrat soll rund zehn Tage tragen. Nach Angaben derselben Verbraucherzentrale ist über etwa zwei Wochen mit Konservenkost kein Nährstoffmangel zu erwarten, bei Kranken oder erhöhtem Bedarf können Ergänzungsmittel sinnvoll sein. Die Rechenbasis des Marktchecks der Verbraucherzentrale Sachsen stammt allerdings noch aus den DGE-Werten von 2015, die Aktualisierung von 2024 floss nicht ein. Als Größenordnung taugen die Zahlen trotzdem. Einen Überblick über alle Posten findest du in der BBK-Checkliste.
Was taugen Komplettpakete mit Notnahrung für 5 bis 10 Tage?
Die Verbraucherzentrale Sachsen hat acht Pakete von fünf Shops geprüft (Preise erfasst zwischen 13. August und 4. September 2024, Stichprobe nicht repräsentativ). Kein Paket erreichte 2.200 kcal pro Tag, das vegane Paket kam auf rund 962 kcal. Auch beim Eiweiß lagen die Pakete knapp: Ein 75 Kilogramm schwerer Erwachsener braucht etwa 60 Gramm pro Tag. Die fleischhaltigen Pakete enthielten mindestens 100 Gramm Fleisch täglich, das sind etwa 700 Gramm pro Woche, während die DGE höchstens 300 Gramm empfiehlt. Obst und Gemüse fehlten weitgehend.
Beim Preis liegt der Durchschnitt bei 23,33 € pro Tag, das teuerste Paket kostete 50 €. Mehrere Anbieter werben mit einer vollständigen Bedarfsdeckung, nennen aber meist nicht, dass zusätzlich 2 Liter Wasser pro Tag nötig sind. Für zehn Tage zahlst du bei den Paketen also im Schnitt etwa das Doppelte des Eigenvorrats.
Wie schneiden Energieriegel und Tagesrationen ab?
Die Tagesrationen kosten laut Verbraucherzentrale Sachsen 7,50 bis 12,90 € pro Packung und halten 7 bis 20 Jahre. Fast alle erreichen rund 2.200 kcal, haben aber ein schwaches Nährstoffprofil: zu viel Zucker, meist zu viel Fett, teils zu wenig Salz und Eiweiß. Zwei Produkte, POW-R1 und NRG-5, sind mit Vitamin D angereichert, was in Deutschland nicht zugelassen ist. Für den Rucksack sind sie trotzdem brauchbar: Sie brauchen keinen Kocher und kein Wasser zur Zubereitung, solange du nur wenige Tage überbrücken musst.
Lohnen sich Spezialkonserven mit zehn Jahren Haltbarkeit?
Spezialkonserven halten über zehn Jahre, kosten aber ein Vielfaches. Die Verbraucherzentrale Sachsen nennt Nudeln Bolognese von Ration1 für 3,99 € gegenüber 1,69 € für Ravioli Bolognese im Supermarkt und vier Mal 400 Gramm Bulgur für 29 €. Supermarktdosen tragen meist ein Mindesthaltbarkeitsdatum von 18 Monaten. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen gibt für Konserven bei dunkler Lagerung und höchstens 19 °C etwa fünf Jahre Haltbarkeit an, Vollkonserven wie Dosenobst sind häufig länger genießbar. Beides zusammen heißt: Du musst keine teure Spezialdose kaufen, wenn du Normalware rotierst. Wie das geht, beschreibt der Artikel zum Krisenvorrat richtig lagern.
Ein Punkt ist umstritten: Bisphenol A in der Dosenbeschichtung. Stiftung Warentest fand im Heft 5/2024 (veröffentlicht am 25. April 2024) bei 51 von 58 Konserven BPA. Nach dem Efsa-Wert gelten alle 51 als stark belastet, nach dem BfR-Wert 14 als deutlich bis stark. Die Verbraucherzentrale Sachsen schreibt, die meisten Konserven überschritten den EU-Grenzwert. Die EU-Verordnung 2024/3190 gilt seit dem 20. Januar 2025 mit Übergangsfristen von 18 und 36 Monaten. Die Bewertung hängt also vom Maßstab ab, und neue Ware wird erst allmählich besser.
Expert Insight: Die Verbraucherzentrale Sachsen rät in ihrem Marktcheck von Fertigpaketen, Spezialkonserven, Online-Wasser, Babywärmern und Powerstations ab. Empfohlen wird ein zehntägiger Vorrat aus Produkten, die du ohnehin isst, nach dem Prinzip des lebendigen Vorrats.
Sind gefriergetrocknete Fertiggerichte eine gute Ergänzung?
Eine Portion kostet laut Verbraucherzentrale Sachsen 3,98 bis 9,95 €. Einige Portionen enthalten allein mehr als die tägliche Salzobergrenze von 6 Gramm. Dazu kommt ein höherer Wasserbedarf, und du brauchst einen Kocher. Reis und Nudeln aus dem Supermarkt sind deutlich günstiger. Als Kocher empfiehlt die Verbraucherzentrale einen Gaskocher mit Sicherung, der für Innenräume zugelassen ist, ab etwa 24 bis 28 €. Spirituskocher sind für Innenräume ungeeignet, Esbit-Kocher halten nur rund 15 Anwendungen. Beim Kochen in Innenräumen solltest du außerdem die Warnungen im Artikel zur Kohlenmonoxid-Gefahr lesen.
Beim Trinkwasser fällt der Preisunterschied ebenso groß aus: Spezialwasser aus Notfallshops kostet 2,95 bis 8,10 € pro Liter, Mineralwasser aus dem Handel meist unter 1 €. Wie du Leitungswasser unterwegs aufbereitest, steht im Artikel zur chemischen Wasseraufbereitung.
Was gehört in einen Vorrat, der zu dir passt?
Der Kern besteht aus Dingen, die du kennst: Reis, Nudeln, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Dosengemüse, Obstkonserven, Nüsse, Öl und Salz. Faustregel der Verbraucherzentrale Niedersachsen: Je trockener und fettärmer ein Lebensmittel, desto länger hält es. Tiefkühlware zählt nicht zum Vorrat, sie ist bei Stromausfall nur begrenzt haltbar. Die Notration ergänzt das Notgepäck. Laut Verbraucherzentrale Sachsen empfiehlt das BBK dafür Verpflegung für zwei Tage, einige Rucksackpakete enthalten nur einen Tag. Ein selbst gepackter Rucksack nach BBK-Liste kostete in der Berechnung vom 15. Oktober 2024 etwa 118 €, fertige Pakete 119 bis 379 €.
Meine Einschätzung: Die verbreitete Annahme lautet: Ein Fertigpaket mit Zehn-Tage-Versprechen ist die sichere Wahl. Die Zahlen sprechen dagegen: kein geprüftes Paket erreichte 2.200 kcal am Tag, der Durchschnittspreis lag bei 23,33 € pro Tag, und der Eigenvorrat aus dem Supermarkt kostete 75,65 € für zehn Tage inklusive Wasser. Ich würde das Geld in Reis, Nudeln und Konserven stecken und nur den Rucksack mit ein bis zwei Tagesrationen ergänzen.






