Familie, Baby und Senioren im Krisenfall: Was du zusätzlich vorbereiten musst

Für einen Haushalt mit Baby, Kleinkind oder pflegebedürftigem Angehörigen reicht die Standard-Rechnung des BBK nicht aus: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt 2 Liter Wasser pro Person und Tag und einen Vorrat für 10 Tage, nennt für Säuglinge, Senioren und Pflegebedürftige aber keine eigenen Mengen. Du musst die Lücken selbst füllen, und zwar bei drei Dingen: Säuglingsnahrung muss nach BfR-Angaben innerhalb von 2 Stunden nach der Zubereitung verfüttert sein, kühlpflichtige Medikamente brauchen 2 bis 8 °C, und strombetriebene Pflegegeräte haben laut Apotheken Umschau Akkus, die nur wenige Stunden halten.

Kurz zusammengefasst: Plane für jede Person im Haushalt mindestens 20 Liter Wasser für 10 Tage ein, bei Flaschenkindern Pulvernahrung samt abgekochtem Wasser und eine Kochmöglichkeit für jede einzelne Mahlzeit. Ältere Menschen brauchen einen Medikamentenvorrat für mindestens zehn Tage, einen Plan für gekühlte Arzneimittel und Menschen, die regelmäßig nach ihnen sehen. Hängt jemand am Strom, informierst du Pflegedienst und Leitstelle vorab.

Was ändert sich am Vorrat, wenn ein Baby im Haushalt lebt?

Die Grundmenge bleibt: Laut BBK-Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ sind es für drei Personen 18 Liter für 3 Tage, 30 Liter für 5 Tage und 60 Liter für 10 Tage, wobei 0,5 Liter pro Person und Tag zum Kochen gedacht sind. Das Heft erwähnt Kleinkinder und Haustiere nur mit dem Satz, dass du auch sie im Notfall versorgen musst, und führt Windeln unter den Hygieneartikeln auf. Eine Stückzahl nennt es nicht. Rechne deshalb mit dem tatsächlichen Verbrauch deines Kindes in einer normalen Woche und nimm das Anderthalbfache für zehn Tage mit, denn bei Stress und Durchfall steigt der Bedarf. Dazu kommen Feuchttücher, Wundschutzcreme und Müllbeutel mit Deckel, passend zu dem, was im Beitrag zur Notfalltoilette und Hygiene steht.

Stillst du, hast du einen Vorteil. Die Nationale Stillkommission bezeichnet Muttermilch laut einer BfR-Presseinformation von 2012 als hygienisch einwandfrei, jederzeit verfügbar und richtig temperiert. Die Quelle ist älter, die Aussage ist aber unstrittig. Auch dann lohnt ein kleiner Vorrat an Pulvernahrung, falls die Mutter ausfällt oder zugefüttert werden muss.

Wie bereitest du Säuglingsnahrung ohne Strom sicher zu?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat seine Empfehlung im März 2022 aktualisiert. Danach verwendest du in den ersten Lebensmonaten abgekochtes Trinkwasser und schüttest das Pulver bei einem reif geborenen, gesunden Säugling mit Wasser zwischen etwa 20 und 50 °C an. Die Nahrung soll in höchstens 15 Minuten auf Trinktemperatur kommen, innerhalb von 2 Stunden verfüttert werden, und Reste gehören weg. Flaschen und Sauger spülst du nach Gebrauch sofort aus und kochst sie in den ersten Monaten mindestens 2 Minuten ab.

Das heißt für den Stromausfall: Du brauchst einen Gas- oder Spirituskocher für draußen oder einen gut belüfteten Raum (die Gefahren dazu stehen im Beitrag zur Kohlenmonoxid-Gefahr), einen Topf, Brennstoff und eine Thermoskanne. Den Flaschenwärmer ersetzt der Handgelenktest: Die Tropfen dürfen sich weder warm noch heiß anfühlen. Vorbereitete Flaschen auf Vorrat helfen nicht weiter, denn nach BfR-Angaben vermehrt sich der Keim Cronobacter bei 37 bis 43 °C mit einer Generationszeit von rund 20 Minuten. Gefährdet sind vor allem Säuglinge unter 2.500 Gramm Geburtsgewicht und immungeschwächte Kinder. Die WHO rät zu Wasser von mindestens 70 °C, das BfR hält das im Haushalt wegen Nährstoffverlusten und Verbrühungsgefahr für riskant. Bei Frühgeborenen sprichst du die Wassertemperatur mit der Kinderärztin ab.

Was brauchen ältere Menschen zusätzlich?

Das BBK nennt für Senioren keine eigenen Empfehlungen, weist aber darauf hin, dass Vorbereitung individuell ist. Für Medikamente hält es einen Vorrat von mindestens zehn Tagen für sinnvoll und empfiehlt einen Medikamentenplan. Die Apotheken Umschau rät chronisch Kranken, mit Arzt und Apotheke zu klären, ob sich Vorräte verordnen lassen. Dazu gehören Ersatzbrille sowie Batterien und Ladegeräte für Hörgerät, Blutdruck- und Blutzuckermessgerät.

Bei Insulin und anderen kühlpflichtigen Arzneien gelten 2 bis 8 °C. Die Apotheken Umschau nennt etwa acht Stunden ohne Strom als Grenze, ab der die Lagerung kritisch wird. Die AOK-Broschüre zur Krisenvorsorge für Pflegebedürftige (Stand Dezember 2024) gibt für Lebensmittel im Kühlschrank etwa vier Stunden an, für einen vollen Gefrierschrank etwa 48 Stunden. Die Zeiträume gelten für verschiedene Dinge und lassen sich nicht gleichsetzen, deshalb frag die Apotheke, wie lange dein Präparat ungekühlt haltbar ist, und leg ein Thermometer in den Kühlschrank. Mehr dazu steht im Beitrag zu Kühlschrank und Gefrierschrank.

Beim Trinken lohnt Aufmerksamkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt laut Verbraucherzentrale NRW etwa 1,5 Liter täglich, und das Durstempfinden lässt im Alter nach. Wenn es kalt ist und ein Heizungsausfall droht, hilft der Beitrag Heizen ohne Strom, denn warme Getränke aus der Thermoskanne gehören bei älteren Menschen zur Grundausstattung.

Was tun, wenn Pflegebedürftige am Strom hängen?

Die AOK-Broschüre empfiehlt, den Hausarzt oder Pflegedienst vorab zu informieren, welche Geräte laufen, etwa Beatmung oder Sauerstoff, und zu fragen, ob Ersatzstrom nötig ist. Ersatzakkus und Batterien für diese Geräte gehören in den Vorrat. Eine elektrische Wechseldruckmatratze ersetzt du im Notfall durch eine normale Schaumstoffmatratze, Bad- und Treppenlifte können ausfallen, und schlechtes Licht erhöht das Sturzrisiko. Braucht jemand Brei, lagert pürierte Kost in Gläsern oder Trinknahrung, weil der Mixer ausfällt. Frag deinen Pflegedienst außerdem, wie er im Krisenfall arbeitet, und klär, wer den Schlüssel hat und wer koordiniert.

Zwei Hilfen kommen dazu. Die SOS-Notfalldose aus der Apotheke oder vom DRK gehört in den Kühlschrank, mit Aufklebern an der Kühlschranktür und innen an der Haustür. Und es gibt Notfallregister: Der Verein Notfallregister, der im Oktober 2022 startete, gibt der Leitstelle Zugriff auf die Wohnorte angemeldeter Menschen und sortiert sie in drei Dringlichkeitsstufen, mit Heimbeatmung und Heimdialyse an der Spitze. Das ist ein privates Angebot und eine ältere Meldung, ob deine Leitstelle damit arbeitet, musst du dort erfragen. Einige Kommunen führen laut Apotheken Umschau eigene Register. Zusätzlich hilft ein einfaches Warnsystem, wie es der Beitrag zu den Warn-Apps erklärt.

Meine Einschätzung: Die verbreitete Annahme lautet: Mit der abgearbeiteten BBK-Liste ist die ganze Familie versorgt. Die Zahlen sprechen dagegen. Die Liste rechnet mit 2 Litern pro Person und 10 Tagen, aber für Säuglingsnahrung gilt eine Frist von 2 Stunden bis zum Verfüttern, für Medikamente eine Kühlgrenze von etwa 8 Stunden und für Pflegegeräte mit Akku eine Laufzeit von wenigen Stunden. Das sind Zeitfenster, in denen kein Vorrat im Keller hilft, sondern nur ein Plan und eine Person, die ihn kennt. Sprich ihn darum diese Woche mit Nachbarn und Pflegedienst durch, nicht erst im Ernstfall.