Heizen ohne Strom: Was bei einem Stromausfall im Winter wirklich funktioniert
Bei einem Stromausfall im Winter bleibt auch die Zentralheizung kalt, selbst wenn sie mit Gas oder Öl läuft, weil Brenner, Pumpe und Steuerung Strom brauchen. Unabhängig von der Steckdose heizt nur ein Holz- oder Kaminofen. Wer nur eine Zentralheizung hat, braucht eine Notstromquelle für rund 50 bis 100 Watt oder eine Ausweichlösung.

Warum fällt die Heizung bei Stromausfall aus?
Eine Gas- oder Ölheizung erzeugt die Wärme zwar mit Brennstoff, steuert aber Zündung, Brenner und Umwälzpumpe elektrisch. Ohne Netzstrom steht die Anlage still und die Heizkörper bleiben kalt, auch wenn Gas oder Heizöl vorhanden sind. Dasselbe gilt für Pelletheizungen und Wärmepumpen.
Der Industrieverband HKI beschreibt es so: Heizungsanlagen sind meist elektronisch gesteuert und fallen bei Stromausfall aus, Elektroherde können dann keine warmen Speisen mehr zubereiten. Giga.de nennt als Grund bei der Gastherme Brenner und Pumpe, die das Wasser erwärmen und verteilen. Der Fehlschluss, mit Gasanschluss sei man bei Stromausfall versorgt, ist deshalb einer der häufigsten und teuersten Irrtümer in der Vorsorge.
Wie viel Strom braucht eine Heizung im Notbetrieb?
Eine Gastherme mit Hocheffizienzpumpe braucht im Dauerbetrieb nach Angaben eines Ratgeber-Blogs etwa 50 bis 100 Watt, eine Ölheizung 100 bis 250 Watt, eine Pelletheizung 100 bis 300 Watt und eine Wärmepumpe im vollen Betrieb 1.500 bis 4.000 Watt. Die Werte hängen vom Gerät ab und sind Richtwerte, kein Ersatz für das Typenschild.
Die Laufzeit einer Notstromquelle lässt sich mit einer einfachen Formel abschätzen: nutzbare Kapazität in Wattstunden mal 0,85, geteilt durch die Dauerlast in Watt. Eine Powerstation mit 1.024 Wattstunden versorgt demnach bei 80 Watt eine Gastherme rund 11 Stunden. Der Anlaufstrom von Pumpe und Brenner liegt ein Vielfaches über der Dauerleistung, deshalb empfiehlt die Quelle Geräte mit 1.000 bis 2.000 Wattstunden und reinem Sinus-Ausgang. Eine Wärmepumpe lässt sich laut derselben Quelle sinnvoll nur mit einem großen PV-Speicher mit Notstromfunktion überbrücken, nicht mit einer kleinen Powerstation.
Expert Insight: Rechnet man das Beispiel auf den Berliner Ausfall vom Januar 2026 hoch, der rund vier Tage dauerte, ergibt sich ein deutlicher Abstand: 96 Stunden bei 80 Watt sind 7.680 Wattstunden. Eine 1.024-Wattstunden-Station liefert nutzbar rund 870 Wattstunden, es wären also etwa neun Ladungen nötig. Nachladen über Solar oder ein Aggregat ist deshalb Pflicht, nicht Komfort. Mehr zu den Ausfallzahlen steht im Beitrag Blackout-Wahrscheinlichkeit in Deutschland.
Welche Heizung funktioniert ohne Strom?
Ohne jeden Strom arbeiten Kamin-, Holz- und Kachelöfen sowie mobile Gas- oder Petroleumöfen. Kaminöfen und Holzherde benötigen laut HKI weder Strom noch leitungsgebundene Energien zur Wärmeerzeugung, sie werden mit Holz oder Briketts befeuert, die sich zu Hause lagern lassen. Beachten muss man die Herkunft der Quelle: Der HKI vertritt die Hersteller solcher Geräte.
Kachelöfen speichern die Wärme besonders lang und geben sie über längere Zeit ab, brauchen dafür aber eine Weile bis zum Aufheizen. Der nachträgliche Einbau in ein modernes Haus ist teuer und aufwendig, außerdem ist Brennholz teurer geworden. Ein Katalytofen wird aus einer Gasflasche betrieben, arbeitet rußfrei und geräuschlos und erwärmt große Räume laut Gelbe Seiten innerhalb kurzer Zeit. Mobile Petroleumöfen werden dort als mögliche Notheizung genannt. Wer mit offenem Feuer oder Gas heizt, braucht Vorräte an Brennstoff und sollte den Umgang vorher geübt haben. Wie sich Kochen und Wärme ohne Netz ergänzen, zeigt der Beitrag zu Gaskochern für Prepper.
Was bringen Kerzen und Teelichtöfen?
Kaum etwas. Die Heizleistung von Teelichtöfen ist laut Gelbe Seiten sehr gering, dazu steigt die Brandgefahr, der Artikel sieht sie eher als Dekoration. Auch Kerzen beeinflussen die Raumtemperatur nur sehr schwach, es müssten sehr viele brennen. Als Lichtquelle sind sie sinnvoll, als Heizung nicht, wie der Beitrag zum Kerzenvorrat erklärt.
Wie hält man die Wärme in der Wohnung?
Wer keinen Ofen hat, verliert Wärme am schnellsten an Fenstern und Türen. Die Gelben Seiten empfehlen, Jalousien zu schließen sowie Fenster und Türen abzudichten. Dazu kommt, den Aufenthalt auf einen Raum zu beschränken und den Körper zu schützen: Ein Mumienschlafsack und eine Thermoschutzdecke sind im Ernstfall wirksamer als jede Teelicht-Konstruktion.
Für die Stromseite helfen Powerbanks bei Kleingeräten, für Pumpe und Brenner braucht es ein Notstromaggregat oder einen Speicher. Warum ein Balkonkraftwerk allein bei Netzausfall nicht liefert, beschreibt der Artikel zum Krisen-Backup. Einen Gesamtüberblick bietet Stromausfall: Prepper und die Vorbereitung.
Meine Einschätzung: Die gängige Annahme lautet: Mit Gasanschluss oder Ölvorrat ist man beim Heizen auf der sicheren Seite. Das stimmt nicht, denn die Wärme hängt an einer Steuerung und einer Pumpe, die nur 50 bis 100 Watt brauchen, aber ohne Strom still stehen. Genau darin liegt die Chance: Die Last ist klein, eine Notstromlösung für die Heizung ist deutlich leichter zu bauen als eine für Herd oder Wärmepumpe. Ob und wie sich die Anlage an eine Notstromquelle anschließen lässt, klärt vorab der Heizungsbauer oder eine Elektrofachkraft. Wer einen Holzofen hat, ist unabhängiger, braucht dafür aber Brennholz, Lagerplatz und einen funktionierenden Schornstein.
- Gas-, Öl- und Pelletheizungen fallen bei Stromausfall aus, weil Brenner, Pumpe und Steuerung Strom brauchen
- Gastherme im Notbetrieb: etwa 50 bis 100 Watt, Ölheizung 100 bis 250 Watt, Wärmepumpe 1.500 bis 4.000 Watt
- Laufzeit: Kapazität in Wh mal 0,85, geteilt durch die Last in Watt, bei 1.024 Wh und 80 W rund 11 Stunden
- Kaminofen und Holzherd arbeiten ohne Strom, Teelichtöfen heizen kaum
- Kohlenmonoxid ist geruchlos und tödlich: Gasheizstrahler nie in geschlossenen Räumen, CO-Melder installieren
Häufige Fragen zum Heizen ohne Strom
Funktioniert meine Gasheizung bei Stromausfall?
Wie viel Strom braucht eine Gastherme im Notbetrieb?
Kann ich bei Stromausfall mit einem Gasheizstrahler in der Wohnung heizen?
Braucht man bei Heizen ohne Strom einen CO-Melder?
Quellen und weiterführende Literatur
- Heizen ohne Strom: Alternative Heizmethoden nutzen · gelbeseiten.de · Kaminofen, Kachelofen, Katalytofen, Petroleumofen, Teelichtofen, Kohlenmonoxid und Wärmeverluste.
- Ob Stromausfall oder Energie-Engpass: Heizen und Kochen mit Holz stellt Grundversorgung sicher · HKI Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik · Pressemitteilung vom 17. Januar 2017 zu Kaminöfen ohne Strom und ausfallenden Heizungsanlagen.
- Bei Stromausfall: Funktioniert die Gasheizung während eines Blackouts? · giga.de · Artikel vom 21. November 2022 zu Brenner, Pumpe und Notstromoptionen.
- Notstrom für die Heizung 2026: Gastherme und Ölheizung bei Stromausfall weiterbetreiben · solaranlage-tipps.de · Leistungsaufnahme, Laufzeitformel und Anforderungen an die Notstromquelle (Anbieter-Blog, Werte als Richtwerte).

