Pandemie-Vorsorge zu Hause: Vorrat, Hausapotheke und Hygiene
Für eine Infektionswelle brauchst du keinen Bunker, sondern etwa zehn Tage Vorrat, einen Medikamentenvorrat für mindestens zehn Tage, ein Fieberthermometer und die Bereitschaft, drei bis fünf Tage zu Hause zu bleiben. Das BBK nennt in seiner Broschüre „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ (2. Auflage, Stand November 2025) zehn Tage als Zielmarke für Lebensmittel und Wasser, mindestens aber drei Tage. Das Robert Koch-Institut rät bei akuten Atemwegssymptomen zu drei bis fünf Tagen Zuhausebleiben und dazu, bis zur deutlichen Besserung Abstand zu halten. Mehr Panik ist nicht nötig, weniger Planung aber auch nicht.
Was ist bei einer Pandemie anders als bei einem Stromausfall?
Bei einem Stromausfall fällt Technik aus, bei einer Infektionswelle fällst du selbst aus, und mit dir häufig mehrere Personen im Haushalt gleichzeitig. Das verändert die Planung. Du kannst nicht einfach mal eben einkaufen gehen, weil du Fieber hast und andere nicht anstecken willst. Der Vorrat muss also nicht nur haltbar sein, sondern auch zu dem passen, was man mit Grippe oder Covid essen und trinken mag: Brühe, Zwieback, Haferflocken, Tee, Reis, Nudeln, Apfelmus.
Wie groß ein Ausbruch werden kann, zeigt die Übung LÜKEX 2007, die das Deutsche Ärzteblatt 2008 beschrieben hat. Das Szenario ging von einer pandemischen Influenza H7N2 und 12,1 Millionen Erkrankten in Deutschland aus. Eine Woche vor dem Höhepunkt rechnete man mit rund 800.000 Arztbesuchen und 21.000 Krankenhauseinweisungen pro Tag. Die Zahlen sind fast 20 Jahre alt und ein Übungsszenario, keine Prognose. Sie zeigen aber, warum Praxen und Kliniken in so einer Lage überlastet wären und warum Selbsthilfe zu Hause zählt.
Zum Vergleich ein realer Wert aus einer gewöhnlichen Saison: Laut einer dpa-Meldung vom 20. Februar 2025 zum RKI-Bericht hatten in der Woche vom 10. bis 16. Februar rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland eine akute Atemwegsinfektion, viele davon eine Grippe. Das war eine normale, wenn auch kräftige Wintersaison. Jeder Haushalt kennt also mindestens einmal im Jahr die Situation, dass mehrere Personen gleichzeitig ausfallen.
Wie viel Vorrat brauchst du, wenn du krank im Bett liegst?
Das BBK empfiehlt, möglichst zehn Tage ohne Einkauf zu überstehen, mit 2 Litern Wasser pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen. Diese Werte gelten für den Krisenfall allgemein, und für den Krankheitsfall lohnt sich eher das obere Ende. Wenn du ohnehin einen Krisenvorrat hast, schau ihn dir mit Blick auf Krankenkost an. Wie du ihn lagerst und rotierst, steht im Artikel zum Krisenvorrat richtig lagern.
Ein Widerspruch in den Quellen: Bild der Wissenschaft zitierte 2008 den Stuttgarter Pandemieplaner Martin Priwitzer mit der Empfehlung, Vorräte für 14 Tage anzulegen. Das BBK nennt 2025 zehn Tage. Die Unterschiede erklären sich vermutlich aus dem Anlass, denn 2008 ging es speziell um eine Influenzapandemie mit langer Welle, das BBK-Heft deckt viele Szenarien ab. Ein Aufschlag auf vierzehn Tage ist keine Verschwendung, wenn Platz und Budget da sind, denn Lebensmittel mit langer Haltbarkeit verfallen nicht.
Was gehört für eine Infektionswelle in die Hausapotheke?
Die Checkliste des BBK führt Schmerzmittel, fiebersenkende Mittel, ein Fieberthermometer, Mittel gegen Durchfall, Erbrechen und Übelkeit sowie Elektrolyte auf. Das passt gut zu einer Magen-Darm- oder Atemwegsinfektion. Ergänzen solltest du Wunddesinfektion und Pflaster, wie es die Checkliste ebenfalls nennt. Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist laut BBK ein Vorrat für mindestens zehn Tage sinnvoll, ebenso bei Asthmaspray und ähnlichen persönlichen Mitteln nach individuellem Bedarf.
Innenminister Alexander Dobrindt sagte bei der Vorstellung der überarbeiteten Broschüre im Oktober 2025 laut Pharmazeutischer Zeitung: „Daher ist es sinnvoll, wichtige Medikamente zuhause zu haben“, weil Rettungswagen, Kliniken und Apotheken zeitweise nicht erreichbar sein können. Prüfe zweimal im Jahr die Verfallsdaten und tausche abgelaufene Packungen aus. Dosierung und Auswahl besprichst du am besten mit deiner Apotheke oder Hausärztin, vor allem bei Kindern und Senioren, über die du mehr im Artikel zu Familie, Baby und Senioren im Krisenfall findest.
Wie schützt du dich mit Hygiene, Maske und Abstand?
Händewaschen bleibt die günstigste Maßnahme. Die damalige Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfahl 2019 20 bis 30 Sekunden Einseifen, und laut einer repräsentativen BZgA-Umfrage lag fast die Hälfte der Befragten darunter. Seife, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel stehen in der BBK-Hygiene-Checkliste. Für die Praxis im Haushalt reicht normale Seife, Desinfektionsmittel brauchst du vor allem für Oberflächen und Pflegesituationen.
Zur Maske gibt das RKI laut Apotheken Umschau (Februar 2025) eine einfache Aufgabenteilung vor: Menschen mit akuten Atemwegssymptomen sollen eine Maske zum Fremdschutz tragen, und wer sich in Innenräumen schützen will, kann ebenfalls eine tragen. Die BBK-Checkliste nennt eine Atemschutzmaske ohne Stückzahl. Ein Vorrat von einer Packung pro Haushaltsmitglied für den Krankheitsfall ist realistisch, ein Lager mit Hunderten Stück ist es nicht. Ob Atemschutz in der Vorsorge insgesamt sinnvoll ist, diskutiert der Beitrag zum Prepper Atemschutz.
Ist jemand im Haushalt erkrankt, hilft die Trennung: eigenes Zimmer, möglichst eigenes Bad oder zumindest eigene Handtücher, Lüften mehrmals täglich, Mahlzeiten vor die Tür stellen. Wenn die Toilette ausfällt oder Wasser knapp wird, kommt das Thema Hygiene schnell zurück. Was du dafür brauchst, steht im Beitrag zur Notfalltoilette und Hygiene.
Lohnt sich ein privater Vorrat an antiviralen Medikamenten?
Nein, das sehen Fachleute sehr zurückhaltend. Bild der Wissenschaft berichtete 2008, dass der Stuttgarter Pandemieplaner Priwitzer einen privaten Vorrat an Tamiflu oder Relenza kritisch sieht, weil ohne ärztliche Verordnung wirkungslose Anwendung, Nebenwirkungen und Resistenzen drohen. Dieselbe Quelle sieht die Pandemievorsorge vor allem als Aufgabe des Gemeinwesens. Die Quelle ist von 2008 und damit alt, die Logik hat sich aber nicht geändert: Antivirale Mittel sind verschreibungspflichtig und wirken nur in bestimmten Zeitfenstern.
Expert Insight: Der Stuttgarter Pandemieplaner Martin Priwitzer sah 2008 private Vorräte an Virostatika kritisch und die Hauptlast der Vorsorge beim Gemeinwesen. Für dich bedeutet das: Dein Beitrag sind Vorrat, Hygiene und Impfstatus. Medikamentenentscheidungen gehören in ärztliche Hand.
Impfungen gehören dagegen zu dem, was du selbst steuern kannst. Das RKI verweist laut dpa-Meldung darauf, Covid-19, Influenza, RSV und Pneumokokken nach den Empfehlungen der STIKO zu impfen. Gehörst du zur Risikogruppe oder leben Risikopersonen bei dir im Haushalt, solltest du den Impfstatus vor dem Herbst mit der Hausarztpraxis klären.
- Vorrat für zehn Tage, bei Platz bis vierzehn, mit leichter Krankenkost
- Persönliche Dauermedikamente für mindestens zehn Tage zu Hause
- Fieberthermometer, Fieber- und Schmerzmittel, Elektrolyte, Mittel gegen Durchfall
- Händewaschen 20 bis 30 Sekunden, Maske bei Symptomen, drei bis fünf Tage zu Hause bleiben
- Impfstatus nach STIKO prüfen, keine Virostatika auf eigene Faust

