Cyberangriff und KRITIS-Ausfall: Was du zu Hause vorbereiten kannst

Cyberangriff und KRITIS-Ausfall: Was du zu Hause vorbereiten kannst

Ein Cyberangriff legt bei dir zu Hause in aller Regel nicht das Licht aus, sondern Behörden, Bezahlsysteme und Netze: Beim Angriff auf den IT-Dienstleister Südwestfalen-IT, der in der Nacht zum 30. Oktober 2023 entdeckt wurde, hatten über 70 Kommunen mit rund 1,7 Millionen Einwohnern wochenlang stark eingeschränkte Bürgerdienste, und erst im Oktober 2024 waren nach Angaben des Dienstleisters 98 Prozent der gestörten Dienste wieder verfügbar. Das BKA zählte für 2025 insgesamt 1.041 angezeigte Ransomware- und Erpressungsfälle mit Datendiebstahl, nach 950 im Vorjahr. Für dich heißt das: Bargeld für ein paar Tage, ein Vorrat, der ohne Internet auskommt, und Datensicherungen, die ein Angreifer nicht mitverschlüsselt.

Geöffneter Serverschrank mit dicht verlegten Kabeln

Kurz zusammengefasst: Realistisch ist der Ausfall einzelner Dienste über Tage bis Monate, etwa Ämter, Kartenzahlung oder Online-Konten. Dagegen helfen ein Bargeldpolster, ein haltbarer Vorrat und Sicherungskopien, die getrennt vom Rechner liegen.
Das Wichtigste in Kürze:

  • Bargeld für 3 bis 4 Tage nennt die niederländische Verbraucherberatung Nibud als Richtwert, Schweden empfiehlt mindestens eine Woche.
  • Regelmäßige Datensicherungen sind die Grundlage, um nach einer Verschlüsselung wieder an deine Daten zu kommen (IHK Bayreuth).
  • Ein batteriebetriebenes Radio und offline gespeicherte Telefonnummern funktionieren, wenn Apps und Cloud nicht erreichbar sind.
  • Rechne bei Behördengängen mit Wartezeiten von Wochen, nicht Stunden.

Was passiert bei einem Cyberangriff auf kritische Infrastruktur wirklich?

Unter KRITIS fallen Strom, Wasser, Gesundheit, Verkehr, Finanzen und Verwaltung. Ein belegter Fall, in dem ein Cyberangriff in Deutschland die Stromversorgung großflächig lahmgelegt hätte, taucht in den Quellen, die ich für diesen Artikel gelesen habe, nicht auf. Die dokumentierten Ausfälle treffen eher Dienstleister im Hintergrund: Rechenzentren von Kommunen, Krankenhäuser, Unternehmen. Wie es mit dem Strom aussieht, kannst du in unserem Beitrag zur Wahrscheinlichkeit eines Blackouts nachlesen. Hier geht es um den wahrscheinlicheren Fall, dass Systeme verschlüsselt werden und Dienste stillstehen, während Strom und Wasser weiterlaufen.

Wie lange dauerte der Ausfall bei der Südwestfalen-IT?

Die Angreifer waren nach Auswertung der Ermittlungen schon seit dem 18. Oktober 2023 im Netz, die Verschlüsselung begann am 29. Oktober, entdeckt wurde sie in der Nacht zum 30. Oktober. Der Dienstleister fuhr alle Systeme herunter. Die Kfz-Zulassung stand still, weil das Zentrale Fahrzeugregister nicht erreichbar war; der Kreis Siegen-Wittgenstein konnte nach etwa zwei Wochen wieder zulassen, mit Hilfe der Nachbarkreise. Sozialämter konnten Anträge nicht bearbeiten, in Menden waren Zahlungen von Bürgergeld und Wohngeld unterbrochen. Ausweise und Pässe stellten die Kommunen laut Kommunalwiki erst Ende März 2024 wieder aus. Die Wiederherstellung begann am 13. November 2023, der Zeitplan dafür wurde am 8. Dezember zurückgenommen. Das Lösegeld wurde laut CIO.de nicht gezahlt.

Bei der Einwohnerzahl weichen die Quellen ab: Das Kommunalwiki nennt 1,1 Millionen Einwohner in den Kreisen Soest und Hochsauerland, CIO.de spricht von 1,7 Millionen in über 70 Kommunen. Welche Zahl stimmt, hängt davon ab, welche Gemeinden man mitzählt. Sicher ist, dass die Ausfälle Menschen in sehr vielen Orten trafen und dass Fachverfahren erst nach Monaten wieder vollständig liefen.

Wie häufig sind Angriffe, und wen trifft es?

Das Bundeslagebild Cybercrime des BKA (Berichtsjahr 2025, nach dpa-Meldung vom 13. Mai 2026) nennt knapp 334.000 Cybercrime-Delikte, davon rund 126.000 mit Tatort in Deutschland. Rund 90 Prozent der Ransomware-Angriffe richteten sich gegen kleine und mittlere Unternehmen. Nur sieben Prozent der Betroffenen zahlten 2025 nach eigenen Angaben Lösegeld, 2024 waren es neun Prozent. Wenn gezahlt wurde, lag die durchschnittliche Summe bei rund 456.300 US-Dollar, gut 387.000 Euro. Die Zahl der DDoS- und Hacktivisten-Angriffe stieg laut BKA um 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das BSI verzeichnete im Lagebericht vom November 2025 für den Zeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 täglich 24 Prozent mehr neu entdeckte Schwachstellen. Gleichzeitig gingen finanziell motivierte Angriffe um neun Prozent zurück, was das BSI auch auf internationale Ermittlungen zurückführt. Die Lage ist also angespannt, aber kein ungebremster Anstieg bei allen Zahlen.

Welche Folgen spürst du zu Hause zuerst?

Am schnellsten merkst du es beim Bezahlen und bei Behörden. Fällt ein Zahlungsdienstleister aus, funktionieren Karte, Handy und Geldautomat nicht, das war der Anlass für den Aufruf des niederländischen Bankenverbands NVB, etwas Bargeld im Haus zu haben. Danach folgen Verwaltungsvorgänge wie Ummeldung, Kfz oder Sozialleistungen, wie die Südwestfalen-Fälle zeigen. Plane deshalb für Fristen, Anträge und Zahlungen einen Puffer ein. Wenn eine Leistung zum Monatsanfang ausbleibt, brauchst du Rücklagen für Miete und Lebensmittel.

Wie viel Bargeld und welcher Vorrat sind sinnvoll?

Das BBK rät in seinem Ratgeber zu einer ausreichenden Bargeldreserve im Haus, nennt aber im Zusammenhang mit Stromausfällen keine Summe. Als Anhaltspunkt dienen Nachbarländer: Die niederländische Verbraucherberatung Nibud empfiehlt, den Bedarf für 3 bis 4 Tage zu berechnen, eine schwedische Broschüre nennt mindestens eine Woche. Nach dem niederländischen Aufruf stiegen die Barabhebungen um etwa 10 Prozent. Der dortige Versicherungsverband rät, die Hausratversicherung zu prüfen, weil Bargeld nur bis zu einer vertraglich vereinbarten Summe versichert ist. Wie du die Summe wählst und sicher aufbewahrst, steht in unserem Artikel zum Bargeld für den Notfall. Beim Essen gilt dasselbe wie sonst: Was ohne Kühlung und ohne Kochstrom haltbar ist, bleibt nutzbar, Hinweise zur Lagerung findest du im Beitrag zum Krisenvorrat.

Was gehört zur digitalen Vorsorge?

Die IHK Bayreuth empfiehlt regelmäßige Datensicherungen, mit denen du nach einer Verschlüsselung durch Schadsoftware wiederherstellen kannst, dazu eine Notfallkarte des BSI mit Meldewegen und das Üben des Ernstfalls. Die Seite nennt keine Offline-Lagerung ausdrücklich. Es liegt aber auf der Hand, dass eine Festplatte, die dauerhaft am Rechner hängt, bei einem Angriff mitverschlüsselt werden kann; eine Kopie, die du nach dem Sichern abziehst und woanders aufbewahrst, schützt davor. Dazu gehören ausgedruckte oder offline gespeicherte Telefonnummern von Familie, Bank und Hausarzt, die wichtigsten Kontodaten auf Papier und ein Passwortmanager, dessen Datenbank du auch lokal exportiert hast. Hersteller und Dienste können ausfallen, deine Notizen im Ordner nicht.

Wie bleibst du informiert, wenn Netze gestört sind?

Ein Radio mit Batterien oder Kurbel empfängt Meldungen, auch wenn Mobilfunk oder Internet nicht laufen. Welche Warnkanäle es gibt und wo ihre Grenzen liegen, erklärt der Vergleich der Warn-Apps. Für den Kontakt zur Familie ohne Netz taugen Handfunkgeräte, die Reichweiten und Regeln stehen im Artikel zum Funk im Krisenfall. Wichtig ist, dass du die Geräte vorher einmal ausprobierst, nicht erst im Ernstfall.