Wenn in Deutschland Luftangriffe drohen würden, stünden laut Bundesregierung noch 579 öffentliche Schutzräume zur Verfügung, die aber nach ihrer Antwort auf eine Bundestagsanfrage vom Juli 2026 weder funktions- noch einsatzbereit sind. 2008 waren es noch 1.967. Für dich heißt das: Auf einen staatlichen Bunker kannst du dich nicht verlassen, und ein privater Schutzraum ist weder Pflicht noch gefördert. Realistisch ist ein Plan für den Ort, an dem du dich ohnehin aufhältst.

- Von 1.967 öffentlichen Schutzräumen (2008) sind 579 übrig, laut Bundesregierung (Juli 2026) nicht einsatzbereit.
- Der Bund plant dezentrale Zufluchtsorte statt weniger Großbunker; die Erfassung soll in der NINA-App angezeigt werden.
- Ein privater Schutzraum ist nicht vorgeschrieben, die Kosten beginnen laut t-online bei etwa 50.000 Euro.
- Für Mieter und Hausbesitzer zählt zuerst der Vorrat und das Wissen, wo der Keller liegt.
Was ist aus den öffentlichen Schutzräumen geworden?
Die Bundesrepublik baute im Kalten Krieg Bunker und Schutzräume, die bis zu 480.000 Plätze boten. Diese Zahl nannte das Bundesinnenministerium laut ZDFheute im November 2024 für die damals 579 verbliebenen Anlagen. Die Entscheidung, das Schutzbaukonzept aufzugeben und die Räume nach und nach aus der Zivilschutzbindung zu entlassen, fiel 2007. Nach einem Bericht von ZDFheute wurde der Prozess im März 2022 zunächst gestoppt. Gebäude, die nicht mehr gebunden sind, dürfen anders genutzt oder abgerissen werden.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Anlage und Platz. Die Bundesregierung nennt in ihrer Antwort vom 17. Juli 2026 keine Platzzahl, sondern sagt nur, dass die 579 verbliebenen Räume aktuell weder funktions- noch einsatzbereit sind. Die 480.000 Plätze stammen aus 2024 und sind damit eine ältere Angabe. Auch die historische Abdeckung ist gering: Das BBK sprach nach Euronews (Mai 2026) von Platz für nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung, ein von ZDFheute zitierter Experte von nie mehr als drei Prozent. Die beiden Zahlen weichen leicht voneinander ab, liegen aber in derselben Größenordnung.
Was plant der Bund stattdessen?
Bundesinnenministerium und BBK haben nach der Bundestagsantwort ein Konzept für öffentliche Zufluchtsräume und private schutzbietende Räume erarbeitet, das derzeit mit den Ländern abgestimmt wird. Statt weniger Großbunker soll es viele dezentrale Zufluchtsorte geben, vor allem zu Hause, am Arbeitsplatz und in öffentlich zugänglichen Gebäuden. Genannt werden U-Bahn-Stationen, Tiefgaragen und Kellerräume, die bundesweit erfasst und in der Warn-App NINA angezeigt werden sollen. Wie die Warn-Apps im Vergleich funktionieren, steht in unserem Artikel Warn-Apps im Vergleich.
Beim Geld ist die Lage uneinheitlich. Euronews zitiert Innenminister Dobrindt mit einem Pakt von zehn Milliarden Euro bis 2029. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete im Juni 2025 über eine Pilotförderung für zunächst eine Million Schutzplätze im Haushaltsjahr 2026, für mobile Ausstattung wie Feldbetten, Sanitäranlagen, Wasser und Lebensmittel in Kommunen. Ein Zeitplan, wann du in der App den nächsten Zufluchtsort siehst, steht in keiner der gelesenen Quellen. Euronews schreibt lediglich, die Erfassung solle in Kürze beginnen.
Reicht dein Keller als Schutzraum?
Hier widersprechen sich die Quellen. Die Bundesregierung führt Kellerräume als Bausubstanz auf, die vor Druckwellen und Splitterflug erheblich schützen kann. Ein von Euronews zitierter Experte sagt dagegen, ein Keller sei unzureichend, weil die Wände nur rund 30 Zentimeter stark seien. Beides lässt sich zusammenbringen: Ein Keller ist besser als ein Raum im Obergeschoss mit großen Fenstern, aber kein Ersatz für einen geprüften Schutzbau.
Eine verbindliche BBK-Empfehlung, welchen Raum du bei einem Angriff aufsuchen sollst, konnte ich auf den gelesenen BBK-Seiten nicht finden. Das BBK beschreibt den baulichen Bevölkerungsschutz allgemein und nennt als Ziel den Schutz in der eigenen Wohnung, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum. ZDFheute berichtete 2024, dass Handlungsempfehlungen für die bauliche Ertüchtigung von Kellern angedacht seien. Solange sie fehlen, bleibt dir nur, den Keller deines Hauses kennenzulernen: Wo liegen die Zugänge, gibt es einen zweiten Ausgang, ist der Raum trocken und lässt er sich abschließen?
Was kostet ein privater Schutzraum und ist er Pflicht?
Ein privater Schutzraum ist in Deutschland keine Pflicht, gesetzliche Vorgaben dafür gibt es laut t-online bislang nicht. Dieselbe Redaktion nennt, mit Stand Juli 2026, Kosten von mindestens 50.000 Euro, ohne die Summe zu belegen. Rechne also mit einem Richtwert, nicht mit einem Angebot. Ob du bauen darfst, hängt vom Bundesland und der Bauordnung ab, ein Schutzraum gilt als Aufenthaltsraum. Eine aktuelle staatliche Förderung für Privatleute nennt keine der gelesenen Quellen. Als Mieter kannst du ohnehin nichts umbauen, mehr dazu im Beitrag Preppen in der Mietwohnung.
Was kannst du heute tun, ohne Bunker?
Der wirksamste Schritt ist ein Vorrat, den du im Keller oder im Flur erreichst, ohne ihn erst zusammensuchen zu müssen. Das BBK schreibt auf seiner Zivilschutz-Seite, eine Warnung schütze am besten, wenn du dich vorher damit beschäftigt hast, welche Notfälle möglich sind und was du dann tun kannst. Dazu gehören Wasser, Lebensmittel, eine Taschenlampe, ein Radio und ein Erste-Hilfe-Set. Eine Übersicht der Empfehlungen findest du in der BBK-Checkliste, Hinweise zur Lagerung im Artikel Krisenvorrat richtig lagern.
Ein Schutzraum, in dem du länger bleibst, braucht außerdem Frischluft und eine Notfalltoilette. Mit Gas- oder Benzingeräten in einem geschlossenen Raum riskierst du eine Kohlenmonoxid-Vergiftung, wie im Beitrag zu Kohlenmonoxid bei Stromausfall beschrieben. Bei einem Gefahrstoffaustritt rät das BBK, die 112 oder die Giftnotrufzentrale anzurufen und auf Durchsagen im Radio oder von Lautsprecherfahrzeugen zu achten.
Wie schätzt du die Lage realistisch ein?
Die Zahlen zeigen eine Lücke zwischen Planung und Bestand. 579 nicht einsatzbereite Räume, ein Konzept in Abstimmung und ein Pilotprogramm für 2026 ergeben noch keinen Schutz für den Einzelnen. Das ist keine Aufforderung, einen Bunker zu bauen, sondern ein Grund, den eigenen Haushalt zu ordnen: einen Raum wählen, einen Vorrat anlegen, die Warn-App installieren und mit der Familie besprechen, wer was tut. Prüfe die Meldungen von Bund und Land in den kommenden Monaten, denn das Konzept ist laut Bundesregierung noch nicht beschlossen und kann sich ändern.

