Auto im Krisenfall: Tank, Ausrüstung und E-Auto bei Stromausfall

Ein Auto kommt bei einem längeren Stromausfall nur so weit, wie der Tank reicht, denn Zapfsäulen laufen mit Strom. Der ADAC nennt als Untergrenze einen Tank, der zu mindestens einem Drittel gefüllt ist (ADAC-Pressemeldung vom 11.01.2019). Bei E-Autos entscheidet der Ladestand: Die ADAC-Tests melden für die Notlaufreserve rund 15 bis 20 Kilometer bei eingeschränkter Leistung. Du solltest dein Fahrzeug deshalb vorher tanken oder laden, nicht erst, wenn die Warnlampe leuchtet.

Grüne Zapfpistole steckt im Tankstutzen eines weißen Autos

Kurz zusammengefasst: Das Auto ist nach einem Netzausfall Fluchtweg, Notunterkunft und Transportmittel in einem, aber nur mit gefülltem Tank oder Akku. Ohne Notstrom geben Tankstellen keinen Kraftstoff mehr ab, und die Behörden planen die Treibstoffversorgung nicht für die gesamte Bevölkerung. Ein Ladestand oder Füllstand von mindestens einem Drittel, eine Winterausrüstung im Kofferraum und etwas Bargeld decken die wichtigsten Risiken ab.

Warum ist der Tank das wichtigste Vorsorgeelement fürs Auto?

Die unterirdischen Tanks einer Tankstelle sind voll, aber die Pumpen und Sicherheitssysteme hängen am Netz. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) schreibt in seiner Publikation zur Treibstoffversorgung bei Stromausfall, dass bei Markentankstellen im Franchising eine Notstromversorgung nicht Teil der Standards ist. Bundesweit gibt es nach dort zitierten Marktdaten rund 14.600 Tankstellen. Das Forschungsprojekt TankNotStrom der Berliner Feuerwehr (Abschlussbericht Juni 2012) hält fest, dass Tankstellen ohne Notstromversorgung keinen Kraftstoff mehr abgeben können.

Der Staat sichert zwar Vorräte: Die Ölkrisenvorsorge umfasst laut BBK mindestens 90 Verbrauchstage. Diese Reserve liegt allerdings in Lagern, sie sagt nichts darüber aus, ob die Zapfsäule in deiner Straße läuft. Die bayerische Staatsregierung antwortete im Juni 2025 auf eine Landtagsanfrage (Drucksache 19/6915), die Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Treibstoff sei nicht umsetzbar. Vorrang hätten Stellen, die öffentliche Sicherheit, Notversorgung und die Wiederherstellung der Stromversorgung sichern. Ein Privatwagen steht in dieser Reihenfolge weit hinten.

Wie voll sollte der Tank im Normalfall sein?

Der ADAC empfiehlt einen Füllstand von mindestens einem Drittel, auch bei kurzen Strecken. Das ist ein Mindestwert, kein Vorsorgeziel. Willst du mehr Puffer haben, tankst du früher nach, etwa bei der Hälfte. Das ist eine Überlegung aus der Praxis und keine Behördenvorgabe. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ein Auto mit halbem Tank hat im Fall eines plötzlichen Ausfalls genug Reichweite für eine Fahrt zu Verwandten oder in eine andere Region, in der die Versorgung noch läuft.

Reservekanister im Fahrzeug sind ein Thema für sich, weil Transport und Lagermengen rechtlich geregelt sind. Darauf gehe ich hier nicht ein. Wie wahrscheinlich ein längerer Netzausfall überhaupt ist, haben wir im Beitrag zur Blackout-Wahrscheinlichkeit in Deutschland aufgeschlüsselt.

Was ändert sich beim Elektroauto?

Ein E-Auto lädt an Ladesäulen, die Strom brauchen. Fällt das Netz aus, bleibt dir der Akkustand, den du zu Beginn hattest. Hier lohnt sich eine feste Gewohnheit: Sinkt der Stand unter etwa 30 Prozent, lädst du nach. Das ist eine Faustregel, die sich am ADAC-Tank-Drittel orientiert. Die ADAC-Tests zur Notlaufreserve (Testzentrum Penzing, berichtet im September 2025 mit sechs Modellen, darunter ID.3, Model Y, Kia EV6, Volvo EX40, BYD Seal und Nio EL6) zeigen: Alle sechs warnen mehrstufig, die erste Warnung kommt aber je nach Modell bei 21 Prozent (EV6) oder erst bei 7 Prozent (EX40) Restladung. Die Reserve reicht nur für etwa 15 bis 20 Kilometer, und der ADAC rät, sie nur im Notfall zu nutzen, weil Kälte oder ein gealterter Akku die Reichweite weiter drücken.

Wichtig ist auch die Frage, wie lange die Heizung im Stand läuft. Laut ADAC-Kältetest von 2022 (minus 10 Grad, Innenraum 20 Grad) lag der Heizverbrauch bei 1,5 bis 2,3 Kilowattstunden pro Stunde. Für einen zwölfstündigen Stau rechnet eine ADAC-Sprecherin mit 18 bis 24 Kilowattstunden, das nennt sie aber ein seltenes Szenario. Im ADAC-Test von 2021 hielt ein Renault Zoe mit 52 kWh Akku mit Heizung, Sitzheizung und Standlicht 17 Stunden durch, ein VW e-Up mit 32,3 kWh 15 Stunden. Die Einschränkung: Das gilt nur, wenn der Akku zu Beginn nicht schon fast leer war, und im Test saßen keine Menschen im Auto, deren Körperwärme den Bedarf senkt. Sitz- und Lenkradheizung wärmen laut ADAC sparsamer als der ganze Innenraum.

Was passiert bei Kälte und Stau im Auto?

Ein Winterstau ist der Fall, in dem das Auto zur Notunterkunft wird. Der ADAC rät, das Fahrzeug nicht zu verlassen, den Tank möglichst voll zu halten und die Rettungsgasse schon bei stockendem Verkehr freizulassen. Kleine Kinder kühlen schneller aus, weshalb die Vorbereitung hier mehr zählt. Laut einem Bericht von t-online unter Berufung auf den ADAC ist das Laufenlassen des Motors der wirksamste Kälteschutz, wenn Kraftstoff vorhanden ist. Im Winter verbraucht ein Benziner im Schnitt etwa 15 Prozent mehr als im Frühjahr oder Herbst, ein Diesel etwa 24 Prozent, vor allem im Stand. Wird der Tank knapper, kannst du den Motor abstellen und dich mit Decken und Pullovern warm halten.

Läuft der Motor im Stand, musst du an Kohlenmonoxid denken, vor allem bei zugeschneitem Auspuff. Wie sich das Gas bemerkbar macht und was ein CO-Melder leistet, steht im Beitrag zur Kohlenmonoxid-Gefahr bei Stromausfall.

Was gehört ins Auto, bevor es ernst wird?

Der ADAC nennt in seiner Winterliste Abschleppseil, Schneeketten, Starthilfekabel, Scheibenfrostschutz, Enteiser-Spray, Eiskratzer, Handfeger, Schaufel und Sand, Handschuhe und eine Wolldecke. Alles sollte griffbereit und sicher verstaut sein, nicht unter dem Gepäck. Dazu kommen die Dinge, die für einen Krisenfall sinnvoll sind: Trinkwasser, haltbare Snacks, eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien, eine Powerbank, ein Verbandkasten, Warnweste und Warndreieck, außerdem ein Ladekabel für das Handy.

Auch Bargeld gehört ins Auto: Fällt die Kartenzahlung aus, kann an einer Tankstelle mit Notbetrieb nur Bargeld helfen. Wie viel Bargeld sinnvoll ist, erklärt der Beitrag zu Bargeld für den Notfall. Kopien wichtiger Papiere, die du im Fahrzeug dabeihast, findest du in der Übersicht zur Notfallmappe.

Ist das Auto eine gute Fluchtoption?

Bei Hochwasser oder einer Evakuierung kann das Auto der schnellste Weg aus der Gefahrenzone sein, aber nur, solange die Straßen frei sind. Ein halber Tank gibt dir dabei mehr Spielraum als ein Viertel. Wie du dein Haus und deinen Keller bei Starkregen sicherst, steht im Beitrag zu Hochwasser und Starkregen. Mit Kindern oder Senioren planst du die Fahrt zusätzlich anders, mehr dazu im Beitrag zu Familie, Baby und Senioren im Krisenfall.

Als Faustregel gilt: Das Auto ist ein Baustein deiner Vorsorge, kein Ersatz für Vorrat zu Hause. Der Tank ist die einzige Größe, die du im Voraus kaum nachholen kannst, wenn das Netz erst einmal weg ist. Ein Blick auf die Tankanzeige beim Verlassen des Hauses kostet nichts und ist die einfachste Vorsorge dieses ganzen Themas.